Nachdem das Übernahmeangebot der DB AG an den ARRIVA-Konzern ca. 4 Wochen zurück liegt, ist es an der Zeit die Pressestimmen etwas zu sortieren.

Generell kann man sich natürlich fragen, warum ein deutscher Staatskonzern, der aus dem Zusammenschluß zweier Staatsbahnen entstanden ist, mit deutschem Steuergeld zu einem international agierenden Logistikkonzern aufgebauscht werden soll und sich nicht mehr vorrrangig darum kümmert, daß in Deutschland die Züge pünktlich fahren und sauber sind und vor allem immer genügend Platz für alle Reisewilligen bieten.

Bei den Pressestimmen geht es aber nicht nur um diese Frage sondern auch um regionale Befindlichkeiten. Und so werde ich versuchen, die einzelnen Presseartikel auch nach regionalen Gesichtspunkten bzw. Bahngesellschaften zu sortieren.

Den Beginn macht ein Artikel im Tagesspiegel vom 21.04. mit dem Titel: Pünktlich wie die Briten . Im Artikel wird vor allem auf die Chancen und Hoffnungen, die sich aus dem Kauf durch die DB AG ergeben, verwiesen.

Ganz anders sieht dies natürlich der VCD, der auf Dorfinfo.de zitiert wird Kaufpläne der Deutschen Bahn AG. Der VCD fordert von der Bahn, sich auf den Eisenbahnbetrieb und die Unterhaltung in Deutschland zu konzentrieren und weist auch darauf hin, daß ein Kauf der deutschen ARRIVA-Anteile den Wettbewerb einschränken würde.

REUTERS zitiert am 22.04. Grube mit den Worten „Weil manche tolle Braut nur einmal im Leben vorbeikommt, wollen wir uns zusammenschließen“ – Bahn will mit Arriva Europas Nahverkehr dominieren. REUTERS weist aber auch auf die Kritiker und ein eventuelles Interesse der SNCF an ARRIVA hin.

Die FAZ.NET meldet: Arriva billigt Übernahme – Teuerster Zukauf in der Geschichte der Bahn) und schafft es viele Kritiker aber auch Befürworter zu Wort kommen zu lassen, während die jungeWelt naturgemäß eine kritische Meinung äußert: Unternehmerspieler des Tages: Deutsche Bahn AG

Im Überblick am Abend schreibt Dowjones.de am 22.04.:
>>Bahn-CEO: Synergien stehen bei Arriva-Kauf nicht im Vordergrund

Die Deutsche Bahn AG (DB) sieht den Kauf des britischen Transportunternehmens Arriva als Teil ihrer Markterschließungsaktivitäten und weniger unter dem Gesichtspunkt erzielbarer Synergien. „Es ist bewusst keine Synergie unterstellt worden“, sagte der Bahn-Vorstandsvorsitzende Rüdiger Grube.<<
Überblick am Abend – Unternehmen – 22. April 2010

Und die Gewerkschaft Transnet fordert von der DB AG: Arriva-Übernahme darf nicht zu Belastungen auf Heimatmarkt führen

Das Handelsblatt sieht durch die Übernahme vor allem die Gefahr für die DB AG, daß sich starke Mitbewerber die ARRIVA-Tochtergesellschaften in Deutschland aneignen und so zu einer starken Konkurrenz werden könnten. Unter anderem wird der Betreiber der U-Bahn von Hong Kong Mass Transit Railway als möglicher Interessent genannt. Aber natürlich wird auch die Hamburger Hochbahn / Benex als Interessent genannt, ist sie doch an einigen der ARRIVA-Töchter bereits beteiligt und will sich über Benex weiter ausbreiten.

Bahn-Deal schafft neue Konkurrenz im Nahverkehr

In seinem Artikel: (Die Deutsche Bahn fährt Bus in England) weist das Hamburger Abendblatt darauf hin, daß Bahnchef Grube die Strategie seines Vorgängers Hartmut Mehdorn fortsetzt und weiter Zukäufe im Ausland durchführt.

Grube durfte aber auch gleich betonen: >&gt;“dass Deutschland weiter der Kernmarkt für die DB bleiben wird“. Für die deutschen Kunden werde es durch eine Übernahme von Arriva „keinerlei Einschränkungen oder Abstriche geben“. Vorrangiges Ziel des Konzerns sei weiterhin, „unser Brot- und Buttergeschäft hierzulande“ in Ordnung zu bringen.<<

Die Welt nennt konkretere Preise: 775 Pence pro Aktien will die DB AG zahlen und zusätzlich sollen auch die Schulden ARRIVAs übernommen werden. Es werden aber auch die Ursachen für die vielen Verschiebungen in Europas Bahnwelt genannt. Die EU will die Öffnung der Märkte / Liberalisierung und so sind >>seit dem Jahr 2000 mehr als 300 Konkurrenten der DB AG<< erwachsen. Und für die Zukunft wird vorhergesagt, daß nur noch 5 bis 6 größere größere Verkehrskonzerne übrig bleiben.

Willkommen bei der Deutschen Bahn

Der Nordschleswiger.dk weist darauf hin, daß die Dänischen Staatsbahnen durch den Kauf von 50 Prozent Anteilen an der Regionalbahngesellschaft VIAS, der im Ärz erfolgte, den Einstieg auf dem deutschen Bahnverkehrsmarkt vollzogen haben und jetzt ein Auge auf ARRIVA-Teile werfen könnten.

DSB: Expansion auf deutschem Bahnmarkt wird intensiviert

Dann wurde es etwas ruhiger zu dem Thema aber heute vermeldet der Spiegel: Bahn spielt bei Milliarden-Zukauf auf Risiko

Die Stimmen zu den einzelnen Gesellschaften im folgenden:

METRONOM

Die HNA (HNA.de) weisen in ihrem Artikel vom 21.4. schon darauf hin, daß sich die DB AG aus kartellrechtlichen Gründen wohl vom deutschen Arriva-Bahngeschäft trennen müßte und geht dabei davon aus, daß der Metronom einen neuen Eigner bekäme: Metronom bald in neuen Händen?

RadioBremen vermeldet am 22.04., daß die METRONOM-Eisenbahngesellschaft in turbulentes Fahrwasser gekommen ist und die Geschäftsführer entlassen wurden (Metronom-Geschäftsführer überraschend entlassen) und zieht daraus den Schluß, daß dies schon die ersten Auswrikungen der bevorstehenden Übernahme wären.

Ähnliches wie RadioBremen vermeldet auch die kreiszeitung.de: Übernahme und Entlassung: Wirbel um Metronom

ODEG / PEG

Die Märkische Allgemeine hat am 22.04. die geplante Übernahme für sich entdeckt und geht auf die politischen Diskussionen vom Bundestag ein. U.a. ist von „Größenwahn“ die Rede, der jetzt auch unter Grube weitergeht. Gleichzeitig zählt sie abe rauch die im Land Brandenburg betroffenen Gesellschaften ODEG und PEG sowie deren Streckennetze auf.
Konzern bietet 2,7 Milliarden Euro für privaten Konkurrenten / Verkehrspolitiker kritisieren Pläne

Newstix zitiert ebenfalls am 22.04. Hans-Werner Franz den Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg, der mit der Übernahme den Wettbewerb bedroht sieht und appeliert auch an die DB AG „sein Engagement in Deutschland nicht auf Kosten weltweiter Zukäufe zurückzuschrauben
Arriva-Kauf bedroht Wettbewerb auf der Schiene – VBB-Chef: Staatsunternehmen DB darf Engagement im eigenen Land nicht vernachlässigen

Regentalbahn / BLB

Für die Passauer Neue Presse ist das Thema interessant, da in Bayern mit Regentalbahn AG, Allgäu-Express (alex) und Berchtesgadener-Land-Bahn gleich 3 ARRIVA-Töchter im Bahnverkehr aktiv sind. “
So eine tolle Braut kommt nur einmal im Leben vorbei

BGLand24.de ist verwirrt, da die Bahnstrecke Berchtesgaden-Freilassing doch erst ausgeschrieben und neu vergeben wurde und nun vielleicht doch wieder bei der Deutschen Bahn landen soll: Übernimmt die DB die BLB?

Vogtlandbahn

Die freiepresse fragt sich: Wer übernimmt die Vogtlandbahn? geht auch auf die bevorstehenden Vergaben im Voigtland im Wert von 400 Mio EURO ein und am Ende werden aber auch auf die Auswirkungen der einstigen Übernahme der Voigtlandbahn durch ARRIVA erwähnt, indem der Bürgermeister von Neumark Ralf Festers zu Wort kommt: „Arriva hat einen erheblichen Anteil an der Finanzmisere der Gemeinde Neumark.“ (da die Gewerbesteuer wegfiel).

Auch der Voigtland-Anzeiger geht auf den ARRIVA-Verkauf ein (Übernahmepoker: Vogtlandbahn vor Zerreißprobe) und weist u.a. auch darauf hin, daß die Voigtlandbahn den Regionalverkehr zwischen Hof und Marktredwitz an Agilis verloren hat, die zu 100% zur Hamburger Benex gehört, die wiederum an der Voigtlandbahnschwester ODEG beteiligt ist.